Al-Mahr / As-Sadaq

Linguistisch bedeutet Sadaq Wahrhaftigkeit.

Fachspezifisch bezeichnet Sadaq die Verpflichtung des Ehemannes, ein Vermögenswert an die Ehefrau aufgrund des Zustandekommens einer Eheschließung auszuhändigen. Die Mahr gilt als zwingende von Allah auferlegte Erfordernis einer Eheschließung. Mahr und Sadaq gelten als Synonyme.

Der Vermögenswert kann finanzieller oder materieller Natur sein. Für die Festlegung des Sadaq gibt es weder eine Obergrenze noch eine Untergrenze. Beide Vertragsparteien legen die Höhe der Mahr fest.

…und euch wurden alle anderen (Frauengruppen) für helal (zum Heiraten) erklärt, damit ihr mit eurem Vermögen (das Heiraten) anstrebt. (4:24)

Die Gelehrten haben jedoch eine Untergrenze im Gegenwert von zehn Dirham und eine Maximum von 500 Dirham als Sunna festgelegt, um im ersten Fall ein Konsens mit den hanefitischen Meshab herzustellen, die dieses Minimum als Vacib betrachten, um im letzten Fall nach dem Vorbild des Propheten (s.a.s.) zu handeln, über den berichtet wird, dass er bei seinen Töchtern und Ehefrauen nie über diesen Maximalwert hinausging.

Es gilt als Sunna, im Moment der Eheschließung die Höhe des Sadaq ausdrücklich zu vereinbaren, denn über den Propheten (s.a.s.) wird überliefert, dass er bei allen seinen Ehefrauen im Moment der Eheschließung die Höhe der Mahr festlegte. Dennoch, wenn bei der Eheschließung die Höhe nicht vereinbart wurde, ist die Ehe gültig.

Die Aushändigung des Sadaq wird im Moment der Eheschließung Vacib und bindend für den Ehemann. Hierbei nimmt der Quran eindeutig Stellung:

…und gebt den Ehefrauen ihr Mahr als Nihla (Geschenk) (4:4)
…und wen ihr von ihnen heiratet, so gebt ihnen ihr Mahr – eine Pflichtabgabe…(4:24)

Der Sadaq gilt als Eigentum der Ehefrau und ausschließlich sie alleine darf über dieses Vermögen bestimmen.

…und wenn ihr eine Ehefrau anstelle einer (anderen) Ehefrau heiraten wollt und ihr einer von ihnen eine großzügige (Mahr) gegeben habt, dann nehmt ihnen nichts weg! Wollt ihr es (ihnen) etwa in betrügerischer und eindeutig verfehlter Weise wegnehmen? (4:20)

Der Zeitpunkt, an dem die Aushändigung des Mahr fällig wird, kann je nach Vereinbarung variieren. Die Aushändigung kann in Höhe des Gesamtbetrages noch vor Vollzug der Ehe erfolgen, sie kann aber auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen, und wiederum kann vereinbart werden, dass ein bestimmter Teil gleich nach Eheschließung ausgehändigt wird, der übrige Teil erst zu einem späteren, genau festgelegten Zeitpunkt, beispielsweise bei Eheauflösung oder durch Tod des Ehemannes.

All diese Zahlungsmodalitäten sind im Sinne der Scharia zulässig, solange beide Parteien hierin eine ausdrückliche Vereinbarung getroffen haben. Wenn sie sich darauf einigen, dass ein bestimmter Teil noch vor Vollzug der Ehe fällig wird, kann die Ehefrau von ihrem Recht geltend machen, und als Konsequenz kann sie solange den Beischlaf mit ihrem Mann verweigern, bis er die Sadaq geleistet hat. Bei Vereinbarung „Zahlung zum späteren Zeitpunkt“ kann die Ehefrau von ihren Zurückhaltungsrecht nicht mehr Gebrauch machen, weil sie sich mit der zeitlichen aufschiebenden Bedingung einverstanden erklärt hatte.

Fälligkeit bzw. Anspruch auf den Mahr

Mit dem Vollzug der Ehe, nach dem die Ehepartner miteinander den Beischlaf vollzogen haben. Mit dem Tod des Ehepartners, unabhängig davon, ob der Beischlaf vollzogen wurde oder nicht.

Der Anspruch auf die Hälfte von Mahr besteht dann, wenn die Eheschließung zustande kommt, die Ehescheidung aber noch vor Ehevollzug erfolgt.

…und wenn ihr von ihnen die Talaq-Scheidung vollzogen habt, bevor ihr sie intim berührt habt, und während ihr ihnen bereits eine Mahr zugesprochen habt, dann (erhält sie) die Hälfte dessen, was ihr zugesprochen habt. (2:237)

Der Anspruch auf Sadaq erlischt vollständig, wenn die Ehefrau ihrerseits die Eheauflösung vollzieht. Dies wird damit begründet, dass die Verpflichtung zur Zahlung der Sadaq unter der Bedingung einer gültigen aufrechten Ehebeziehung erfolgt. Bei Auflösen der Ehe entfällt somit der Anspruch der Ehefrau auf Sadaq.

Mahr-ul-Mithl

Der Mahr kann bei Eheschließung entweder ausdrücklich oder bestimmt oder unbestimmt sein. Wenn die Mahr nicht definitiv bestimmt war, dann treten die Bestimmungen des Mahr-ul-Mithl ein.

Die Höhe des „Mahr“ richtet sich, bei nicht näher bestimmter Vereinbarung, nach den Verhältnissen der Ehefrau. Als Basis werden die Familienmitglieder väterlicherseits herangezogen. Wenn die Familienmitglieder nicht existieren, so werden die Familienmitglieder mütterlicherseits als Basis herangezogen. Sollte auch diese nicht existieren, so nimmt man anhand der verheirateten Frauen in der Stadt, in der die Eheleute leben, den Mahr der Frauen als Ausgangsbasis.

Die Bestimmung des „Mahr-ul-Mithl stützen sich auf einen Hadith: Abdullah ibn Masud (r.) urteilte über die Rechtsituation einer Frau, die einen Mann heiratete ohne mit ihr bei der Eheschließung die Höhe des „Mahr“ ausdrücklich zu vereinbaren. Der Ehemann verstarb schließlich, bevor beide die Ehe vollzogen. Abdullah (r.) urteilte, dass der Frau nach Maßgabe ihrer weiblichen Familienangehörigen ein angemessener Mahr zusteht. Außerdem muss sie in die Idda (Erbberechtigt), sodass sie ihn beerben durfte. Bei diesem Urteil stand Miqal ibn Sinan al-Aschdjai auf und sprach, dass der Gesandte (s.a.s.) genau so über eine seiner weiblichen Familienmitglieder namens Barva bint Waschiq urteilte. Abdullah (r.) war hocherfreut über diese Aussage. (Ü.v. Davud, Tirmithi)

Gründe für die Zahlung des „Mahr“ – Vacib

Ein Ehevertrag wird geschlossen, aber nicht alle Voraussetzungen wurden erfüllt. Z. B. War bei der Eheschließung kein Wali oder Zeugen anwesend. Dieser Vertrag gibt als „fasid“ (nichtig). Der Ehemann ist verpflichtet die Mahr an die Ehefrau zu zahlen, die Ehe gilt dann als annulliert. Erfolg die Eheauflösung noch vor dem Beischlaf, hat der Ehemann keine Verpflichtung zur Zahlung der Mahr, denn ein Fasid-Vertrag gilt als nicht geschlossener Vertrag.

Eine Ehe wird aufgelöst, ohne dass vorher im Ehevertrag eine genaue Höhe des Mahr vereinbart wurde, oder beide Partner sich im Streitfall uneinig sind, über die Höhe. In diesem Fall erhält die Frau den „Mahr-ul-Mithl“.

Bei der Eheschließung wurden vertragliche Vereinbarungen getroffen, die im Widerspruch zur Natur stehen. Aus diesem Grund gelten die Vereinbarungen als nichtig, „fasid“. Der Vertrag zieht keine rechtlichen Konsequenzen nach sich. z. B. Wird ein Vermögenswert vereinbart, der als haram zählt, wie die Schenkung von Alkohol, der vereinbarte Mahr befindet sich nicht rechtmäßig im Besitz des Bräutigam. Auch in diesem Fall greift „Mahr-ul-Mithl“.

Der Wali verheiratet eine Frau und bestimmt den Mahr unter der Grenze des Mahr-ul-Mithl, ohne vorher die ausdrückliche Zustimmung der Frau einzuholen. In diesem Fall gilt die Vereinbarung als fasid. Der Ehefrau steht der Mahr-ul-Mithl zu. Die Funktion des Wali besteht eigentlich darin, die Interessen der Frau zu vertreten, was in diesem Fall unterblieb.

Im Ehevertrag wird Vereinbart, das ein Teil des Mahr an einen der Familienmitglieder der Ehefrau gezahlt wird, z. B. an den Vater. Der Ehevertrag ist gültig, aber die Vereinbarungen sind fasid, deshalb erhält die Frau den Mahr-ul-Mithl.

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Voraussetzung für die Funktion der Trauzeugen

Sie müssen Muslime sein, sie müssen männlich sein, sie müssen die Reife erreicht haben, sie müssen zurechnungsfähig sein, sie müssen vertrauenswürdig sein, sie dürfen weder blind noch taub sein.

Die Vertragsformel

Die Eheschließung gilt als Vertrag zwischen zwei Partnern. Der Wali übernimmt stellvertretend für die Braut die Ausarbeitung des Ehevertrages. Der Bräutigam hält im Ehevertrag die Zahlung eines „Mahr“ fest, zu dieser er Verpflichtet ist.

Beide Vertragspartner (Wali und Bräutigam) müssen ihre Worte bzw. Ausdrücke so wählen, dass ihre Absicht einen Ehevertrag zu schließen, eindeutig und unmissverständlich daraus hervorgeht. Auf das Angebot des Wali muss unmittelbar danach dessen Annahme durch den Bräutigam erfolgen. Nach Einigung und Vertragsabschluss gilt der Vertrag in seiner endgültigen Ausführung als uneingeschränkt, d. h. er darf nicht mit Ausnahmen bzw. Bedingungen zusätzlich eingeschränkt werden.

Der Wali

Der Wali

Als Wali bezeichnet man den Rechtmäßigen Vormund oder den Rechtmäßigen Verwalter über eine bestimmte Person bzw. über eine Bestimmte Angelegenheit.

…kein Nikah ohne Wali und zwei vertrauenswürdigen Trauzeugen (Hadith)

Familienhierarchie bei der Bestellung des Wali

Vater, Großvater väterlicherseits, leiblicher Bruder, Halbbruder väterlicherseits, Nachkommen des leiblichen Bruder, Nachkommen des Halbbruder väterlicherseits. Steht keiner der genannten zur Verfügung geht es mit der Familie des Großvaters väterlicherseits weiter: Leiblicher Bruder, Halbbruder, Nachkommen des leiblichen Bruder, Nachkommen des Halbbruder. (immer väterlicherseits) Ist keiner dieser Verwandten mehr zugegen, dann übernimmt der Qadi (Richter) die Funktion des Wali.

Voraussetzung für die Funktion eines Wali

Er muss Muslim sein; er muss die Reife erlangt haben, er muss zurechnungsfähig sein, er muss vertrauenswürdig sein, er darf nicht blind sein.

Verhalten bei dem Werben um eine Frau

Man darf um eine Frau in klaren Worten (Tasrih) und auch in Andeutungen (Tarid) werben, wenn sie unverheiratet ist, keine Wartzeit einzuhalten hat und nicht unter der Kategorie fällt, deren Eheschließung von vornherein haram ist.

Man darf nicht in klaren Worten, wohl aber in Andeutungen um eine Witwe und um eine solche geschiedene Frau, deren Ehemann das Recht der Wiederaufnahme der Ehe währende ihrer Wartezeit nicht zusteht, werben.

Hauptgegenstände des Ehevertrags (Arkan)

Der Ehemann, die Ehefrau, der Wali, die Brautzeugen (mindestens zwei), die Vertragsformel

Bemerkung

Während des Ihram-Zustand (Hac oder Umra) dürfen keine Eheverträge geschlossen werden. In dieser Zeit abgeschlossene Verträge sind nichtig.

Die islamische Eheschließung – Nikah I

Nikah ist der Ehekontrakt, der eine intime Beziehung zwischen Mann und Frau nach islamischen Recht für „mubah“ (Wünschenswert) erklärt. Nikah hat die Bedeutung von Eheschließung, kann aber im Übertragenen Sinne auch für den Geschlechtsakt verwendet werden.

Grundlagen für Nikah findet man im Quran und in der Sunna:

…und verheiratet die Unverheirateten unter euch und die gottesfällig-guttenden von euren Dienern und Dienerinnen! (24:06)

…ihr Jugendlichen! Wer von euch die Ehepflichten erfüllen kann, so soll er heiraten; denn dies hilft, die Blicke (vor Haram) zu hüten…doch wer nicht dazu in der Lage ist, so soll er fasten, denn dies schützt ihn vor Unzucht.

Meinungen der Gelehrten zur Verpflichtung von Heiraten

Imam Schafi ordnet Heirat unter „mubah“ (ist egal ob man heiratet); bei Unterlassung gibt es keine Sanktionen.

Die Imame Abu Hanife, Malik, Hanbali, ordnen Heirat unter „mandub“ (Wünschenswert, bei Vollziehung gibt es Belohnung) ein, und nicht Vacib.

Nur Imam Zahiriya ordnet Heiraten unter Vacib ein, seine Begründung:

Der Ausdruck „und verheiratet die Unverheirateten unter euch“ beinhaltet eine Befehl. In der arabischen Sprache impliziert jeder Imperativ die ausdrückliche Ausführung als Vacib-Norm.

Argumentation der anderen Gelehrten:

Wenn die Heirat zur Zeit des Propheten (s.a.s.) Vacib gewesen wäre, dann hätten all seine Gefährten und die gottesfürchtigen Diener/innen verheiratet werden müssen. Wenn also die Heirat Vacib wäre, dann wäre der Wali verpflichtet und gezwungen, seine Schutzbefohlenen (Thayibat) zu vermählen. Dies widerspricht aber dem Hadith: …und vermählt nicht eure Thayibat, solange ihr von ihnen keine ausdrückliche Zustimmung eingeholt habt…

Die Einstufung der Heirat als mandub wird damit begründet, dass nach dem Konsensus der Gelehrten, der Herr nicht verpflichtet ist, seine Dienerin zu verheiraten, und dass, obwohl die Aya einen Imperativ (Befehlsform) enthält.

Imam Schafi sagt dazu:

Heiraten ist mubah, weil damit die Befriedigung eines Bedürfnisses bezweckt wird, somit fällt sie unter der gleichen Kategorie wie Essen und Trinken.

Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Mann und Frau

In der Verwandtschaft sind zwei Grade zu unterscheiden:

Derjenige Grad, der eine Eheschließung zwischen zwei miteinander verwandten Personen ausschließt „maharim“.

Derjenige Grad, der zwischen zwei Verwandten eine Eheschließung nicht ausschießt „aqribaa“.

…euch wurden für haram (zum Heiraten) erklärt: Eure Mütter, eure Töchter, eure Schwestern, eure Tanten väterlicherseits, eure Tanten mütterlicherseits, die Töchter des Bruder, die Töchter der Schwester, eure Ammen, die euch gestillt haben, eure Milchschwestern, die Mütter eurer Ehefrauen, eure Stieftöchter, die in eurem Haushalt leben, die zu den Ehefrauen gehören, mit denen ihr bereits intim wart, und wenn ihr mit ihnen noch nicht intim wart, dann ist es für euch keine Verfehlung (diese Stieftöchter zu heiraten), und die Ehefrauen eurer leiblichen Söhne, und dass ihr zwei Schwestern gleichzeitig heiratet, es sei denn, was bereits geschehen ist. Gewiss Allah bleibt immer allvergebend, allgnädig. (Haram für die Heirat sind ebenso) die bereits verheirateten Frauen, es sei denn, sie gehören euch. Dies ist das euch von Allah Gebotene. Und euch wurden alle anderen (Frauengruppen) für helal (zum Heiraten) erklärt, damit ihr mit eurem Vermögen (das Heiraten) anstrebt als Ehemänner und nicht als Unzucht-Betreibende. Und wenn ihr von ihnen heiratet, so gebt ihnen ihre Morgengabe, eine Pflichtgabe. Und es ist für euch keine Verfehlung wegen dem, worüber ihr euch einigt außerhalb der Pflichtabgabe. Gewiss, Allah bleibt immer allwissend, allweise. (4:23-24)

Al-Maharim (Mahram)

1. Blutsverwandte (Nasab)

Mutter und deren aufsteigende Linie
Tochter und deren absteigende Linie
Schwester
Tante väterlicherseits
Tante mütterlicherseits
Tochter des Bruders
Tochter der Schwester

2. Milchverwandtschaft (Ar-Ridaa)

nach einem Hadith wird die Milchverwandtschaft in denselben Graden genauso wie ein Ehehindernis eingestuft, also genau wie die Blutsverwandtschaft. In der Aya wird zwar lediglich die Milchmutter und die Milchschwester erwähnt, aber Erstere gilt als der Stamm, Zweitere als Zweig davon. Damit werden alle Grade der Abstammung sowohl n aufsteigender als auch in absteigender Linie abgedeckt.

3. Verwandtschaft durch Heirat (Musahara)

Ehefrau des Vaters
Ehefrau des Sohnes
Mutter der Ehefrau (Schwiegermutter)
Tochter der Ehefrau (Schwiegertochter)
Bemerkung zur (Schwieger-)Tochter

Allein der Abschluss von Nikah (auch ohne intimen Beiwohnen) mit der Tochter, verbietet eine anschließende Eheschließung mit deren Mutter. Andersrum ist die Ehe mit der Tochter nur dann verboten, wenn vorher eine intime Beziehung mit der Mutter stattgefunden hat.

Link: Zehirliok