Der Wali

Der Wali

Als Wali bezeichnet man den Rechtmäßigen Vormund oder den Rechtmäßigen Verwalter über eine bestimmte Person bzw. über eine Bestimmte Angelegenheit.

…kein Nikah ohne Wali und zwei vertrauenswürdigen Trauzeugen (Hadith)

Familienhierarchie bei der Bestellung des Wali

Vater, Großvater väterlicherseits, leiblicher Bruder, Halbbruder väterlicherseits, Nachkommen des leiblichen Bruder, Nachkommen des Halbbruder väterlicherseits. Steht keiner der genannten zur Verfügung geht es mit der Familie des Großvaters väterlicherseits weiter: Leiblicher Bruder, Halbbruder, Nachkommen des leiblichen Bruder, Nachkommen des Halbbruder. (immer väterlicherseits) Ist keiner dieser Verwandten mehr zugegen, dann übernimmt der Qadi (Richter) die Funktion des Wali.

Voraussetzung für die Funktion eines Wali

Er muss Muslim sein; er muss die Reife erlangt haben, er muss zurechnungsfähig sein, er muss vertrauenswürdig sein, er darf nicht blind sein.

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Verhalten bei dem Werben um eine Frau

Man darf um eine Frau in klaren Worten (Tasrih) und auch in Andeutungen (Tarid) werben, wenn sie unverheiratet ist, keine Wartzeit einzuhalten hat und nicht unter der Kategorie fällt, deren Eheschließung von vornherein haram ist.

Man darf nicht in klaren Worten, wohl aber in Andeutungen um eine Witwe und um eine solche geschiedene Frau, deren Ehemann das Recht der Wiederaufnahme der Ehe währende ihrer Wartezeit nicht zusteht, werben.

Hauptgegenstände des Ehevertrags (Arkan)

Der Ehemann, die Ehefrau, der Wali, die Brautzeugen (mindestens zwei), die Vertragsformel

Bemerkung

Während des Ihram-Zustand (Hac oder Umra) dürfen keine Eheverträge geschlossen werden. In dieser Zeit abgeschlossene Verträge sind nichtig.

Die islamische Eheschließung – Nikah I

Nikah ist der Ehekontrakt, der eine intime Beziehung zwischen Mann und Frau nach islamischen Recht für „mubah“ (Wünschenswert) erklärt. Nikah hat die Bedeutung von Eheschließung, kann aber im Übertragenen Sinne auch für den Geschlechtsakt verwendet werden.

Grundlagen für Nikah findet man im Quran und in der Sunna:

…und verheiratet die Unverheirateten unter euch und die gottesfällig-guttenden von euren Dienern und Dienerinnen! (24:06)

…ihr Jugendlichen! Wer von euch die Ehepflichten erfüllen kann, so soll er heiraten; denn dies hilft, die Blicke (vor Haram) zu hüten…doch wer nicht dazu in der Lage ist, so soll er fasten, denn dies schützt ihn vor Unzucht.

Meinungen der Gelehrten zur Verpflichtung von Heiraten

Imam Schafi ordnet Heirat unter „mubah“ (ist egal ob man heiratet); bei Unterlassung gibt es keine Sanktionen.

Die Imame Abu Hanife, Malik, Hanbali, ordnen Heirat unter „mandub“ (Wünschenswert, bei Vollziehung gibt es Belohnung) ein, und nicht Vacib.

Nur Imam Zahiriya ordnet Heiraten unter Vacib ein, seine Begründung:

Der Ausdruck „und verheiratet die Unverheirateten unter euch“ beinhaltet eine Befehl. In der arabischen Sprache impliziert jeder Imperativ die ausdrückliche Ausführung als Vacib-Norm.

Argumentation der anderen Gelehrten:

Wenn die Heirat zur Zeit des Propheten (s.a.s.) Vacib gewesen wäre, dann hätten all seine Gefährten und die gottesfürchtigen Diener/innen verheiratet werden müssen. Wenn also die Heirat Vacib wäre, dann wäre der Wali verpflichtet und gezwungen, seine Schutzbefohlenen (Thayibat) zu vermählen. Dies widerspricht aber dem Hadith: …und vermählt nicht eure Thayibat, solange ihr von ihnen keine ausdrückliche Zustimmung eingeholt habt…

Die Einstufung der Heirat als mandub wird damit begründet, dass nach dem Konsensus der Gelehrten, der Herr nicht verpflichtet ist, seine Dienerin zu verheiraten, und dass, obwohl die Aya einen Imperativ (Befehlsform) enthält.

Imam Schafi sagt dazu:

Heiraten ist mubah, weil damit die Befriedigung eines Bedürfnisses bezweckt wird, somit fällt sie unter der gleichen Kategorie wie Essen und Trinken.

Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Mann und Frau

In der Verwandtschaft sind zwei Grade zu unterscheiden:

Derjenige Grad, der eine Eheschließung zwischen zwei miteinander verwandten Personen ausschließt „maharim“.

Derjenige Grad, der zwischen zwei Verwandten eine Eheschließung nicht ausschießt „aqribaa“.

…euch wurden für haram (zum Heiraten) erklärt: Eure Mütter, eure Töchter, eure Schwestern, eure Tanten väterlicherseits, eure Tanten mütterlicherseits, die Töchter des Bruder, die Töchter der Schwester, eure Ammen, die euch gestillt haben, eure Milchschwestern, die Mütter eurer Ehefrauen, eure Stieftöchter, die in eurem Haushalt leben, die zu den Ehefrauen gehören, mit denen ihr bereits intim wart, und wenn ihr mit ihnen noch nicht intim wart, dann ist es für euch keine Verfehlung (diese Stieftöchter zu heiraten), und die Ehefrauen eurer leiblichen Söhne, und dass ihr zwei Schwestern gleichzeitig heiratet, es sei denn, was bereits geschehen ist. Gewiss Allah bleibt immer allvergebend, allgnädig. (Haram für die Heirat sind ebenso) die bereits verheirateten Frauen, es sei denn, sie gehören euch. Dies ist das euch von Allah Gebotene. Und euch wurden alle anderen (Frauengruppen) für helal (zum Heiraten) erklärt, damit ihr mit eurem Vermögen (das Heiraten) anstrebt als Ehemänner und nicht als Unzucht-Betreibende. Und wenn ihr von ihnen heiratet, so gebt ihnen ihre Morgengabe, eine Pflichtgabe. Und es ist für euch keine Verfehlung wegen dem, worüber ihr euch einigt außerhalb der Pflichtabgabe. Gewiss, Allah bleibt immer allwissend, allweise. (4:23-24)

Al-Maharim (Mahram)

1. Blutsverwandte (Nasab)

Mutter und deren aufsteigende Linie
Tochter und deren absteigende Linie
Schwester
Tante väterlicherseits
Tante mütterlicherseits
Tochter des Bruders
Tochter der Schwester

2. Milchverwandtschaft (Ar-Ridaa)

nach einem Hadith wird die Milchverwandtschaft in denselben Graden genauso wie ein Ehehindernis eingestuft, also genau wie die Blutsverwandtschaft. In der Aya wird zwar lediglich die Milchmutter und die Milchschwester erwähnt, aber Erstere gilt als der Stamm, Zweitere als Zweig davon. Damit werden alle Grade der Abstammung sowohl n aufsteigender als auch in absteigender Linie abgedeckt.

3. Verwandtschaft durch Heirat (Musahara)

Ehefrau des Vaters
Ehefrau des Sohnes
Mutter der Ehefrau (Schwiegermutter)
Tochter der Ehefrau (Schwiegertochter)
Bemerkung zur (Schwieger-)Tochter

Allein der Abschluss von Nikah (auch ohne intimen Beiwohnen) mit der Tochter, verbietet eine anschließende Eheschließung mit deren Mutter. Andersrum ist die Ehe mit der Tochter nur dann verboten, wenn vorher eine intime Beziehung mit der Mutter stattgefunden hat.

Link: Zehirliok